Osa-Halbinsel

 

Das Sierpe-Gebiet

 

Das Sierpe-Gebiet liegt am n├Ârdlichen Ende der Osa-Halbinsel. Der Corcovado Nationalpark ist von hier aus ideal mit dem Boot zu erreichen. Mit dem Auto oder mit ├Âffentlichem Bus auf die Osa-Halbinsel zu fahren ist zeitraubend und die Nebenstrassen auf der Halbinsel sind mehrheitlich in einem schlechten Zustand und insbesondere bei Regenwetter teilweise sogar unpassierbar. Wer nicht mit einem Kleinflugzeug in den Park hineinfliegen will, muss einen anstrengenden, mindestens sechs- bis zehn st├╝ndigen Fu├čmarsch, entweder ├╝ber steile Berge oder entlang der hei├čen K├╝ste, auf sich nehmen. Das verspricht zwar viel Abenteuer und sicherlich auch viele spannende Naturbeobachtungen, ist aber nicht jedermanns Sache.

 

Daher sei hier empfohlen von Sierpe aus ein Boot zur etwa 50 Minuten entfernten Drake-Bay zu nehmen. Von da aus f├Ąhrt t├Ąglich (au├čer Dienstag und Donnerstag) um 15:30 Uhr ein Shuttle-Boot entlang der K├╝ste nach Puerto Jimenez, mit dem man direkt ins Parkgebiet gelangt. Die R├╝ckfahrt ist an den gleichen Wochentagen fr├╝hmorgens zwischen 06:00 und 08:00 Uhr. Wer bei der Forschungs- und Ranger-Station Sirena aussteigt, befindet sich quasi schon mitten im Corcovado Nationalpark. Nur ein paar Gehminuten von der K├╝ste entfernt liegt die Station gesch├╝tzt auf einer Waldlichtung und ist idealer Ausgangspunkt f├╝r die Erkundung des Parkgebietes. Gut begehbare Trails erm├Âglichen kurze Rundg├Ąnge von 20 Minuten wie auch ausgedehntere, bis mehrst├╝ndige Touren. Was man hier alles entdecken kann, belohnt dann auch die weite Anreise.

 

Der Corcovado Nationalpark ist das einzige Gebiet des Landes, wo alle vier Affenarten gleichzeitig vorkommen. Au├čerdem br├╝ten hier die verschwenderisch bunt gef├Ąrbten roten Ara-Papageien. An bunten V├Âgeln findet man hier ohnehin eine gro├če Vielfalt, darunter pr├Ąchtige Trogons, die truthahngro├čen Currassows und Rostbauch-Guans, Tukane, oder diverse schillernde Kolibriarten. An den nahen Fl├╝ssen, dem Sirena River und dem Rio Claro, lassen sich auch Reiher, Flycatcher, Kingfisher oder Habichte beobachten. Fast die H├Ąlfte aller in Costa Rica vorkommenden Vogelarten sind hier im Corcovado anzutreffen.

 

S├Ąugetiere sind hier ebenfalls zahlreich vorhanden. So sahen wir ein Rudel von etwa zwanzig Halsbandpekaris, die mit ihren Ferkelchen das Unterholz nach E├čbarem durchw├╝hlen. Nur kurz darauf entdeckten wir auch gleich die zweite hier vorkommende Wildschweinart, eine Gruppe von Weissbartpekaris. Eine besondere Attraktion sind hier auch die Tapire. Mit etwas Gl├╝ck kann man diese nachtaktiven Tiere aus n├Ąchster N├Ąhe beobachten, wenn sie tags├╝ber in einem Schlammloch oder im Schatten eines Baumes ruhen. Unter den rund 140 S├Ąugerarten sind auch Ameisenb├Ąren oder Wildkatzen, wie Jaguar, Puma oder Ozelot vertreten. Amphibien- und Reptilienfreunde werden sich freuen, wenn sie die kleinen Giftpfeilfr├Âsche, gr├╝ne Baumschlangen oder eine gro├če Boa Constrictor entdecken.

 

Der Tierreichtum im Corcovado ist auch deshalb so enorm, weil das gesamte Parkgebiet 13 verschiedene ├ľkosysteme beinhaltet. Vor der Parkgr├╝ndung 1975 war der schmale K├╝stenstreifen besiedelt und wurde landwirtschaftlich genutzt. Daher erstreckt sich entlang der nun menschenleeren traumhaften Pazifikstr├Ąnde ein Streifen von Sekund├Ąrwald, der eine gro├če Nahrungsquelle f├╝r zahlreiche Tierarten darstellt. Im Tagesverlauf wird diese Region von vielen Tieren aus der etwas weiter landeinw├Ąrts liegenden Regenwaldzone aufgesucht. Das ist mit ein Grund, weshalb sich die Sirena-Station f├╝r Tier- und Naturbeobachtungen so gut eignet.

 

Die Vegetation, insbesondere im Prim├Ąr-Regenwald, wird gepr├Ągt von ├╝ber 500 Baumarten. Die gr├Â├čten werden bis 80 Meter hoch und erreichen einen Stammdurchmesser von bis zu 3 Metern. Die F├╝lle an bodenbedeckenden Kr├Ąutern, Str├Ąuchern und Kletterpflanzen ist schier un├╝berschaubar. Die Formen- und Farbenvielfalt, wenn auch dominiert von sattem Gr├╝n, ist so enorm, dass man das Gesehene und Erlebte in Ruhe nochmals vor dem inneren Auge Revue passieren l├Ą├čt, wenn man sich, zur├╝ck in der Sirena Rangerstation, auf der Veranda gem├╝tlich ausruht. Wer hier in Sirena ├╝bernachtet, wird abends bei zunehmend lauter werdenden Ger├Ąuschen, aus dem Kronendach des umliegenden Waldes, noch den Sonnenuntergang genie├čen.

 

( Reisebericht von Richard Gubler, Z├╝rich - Schweiz, April 2009)

 

Wenn Sie an au├čergew├Âhnlichen Costa Rica Touren in Guanacaste interessiert sind, zum Beispiel in den Prim├Ąrwald, zu den ├Ârtlichen Wasserf├Ąllen, einer Kaffeetour zu privaten Kaffeebauern in den umliegenden Bergen oder auch an Bootstouren auf dem Rio Tempisque (Voegel und Krokodile) und zu dem Vulkan Rincon de la Vieja, gibt es auf dem Link weitere Informationen