Reiseberichte von der Karibikk├╝ste

 

Cahuita bis San Jose

 

Von Changuinola aus gibt es einen Direktbus nach San Jose, der wieder ├╝ber die costaricanische Karibik und damit vorbei an Puerto Viejo, Cahuita und Limon f├Ąhrt. Da ich bisher nur sehr wenig von der Karibikseite Costa Ricas gesehen hatte und mir Puerto Viejo sehr gut gefiel, beschloss ich f├╝r eine weitere Nacht in Cahuita zu bleiben. Cahuita ist etwas kleiner als Puerto Viejo und nicht ganz so touristisch. Dennoch gibt es auch hier viele Restaurants, Bars und eine Vielzahl von Unterk├╝nften. F├╝r 15 Dollar die Nacht mietete ich mich, wieder allein und ohne Reisebegleiter Joe, in den ┬ĘCabinas Palmer┬Ę ein. Mit einem kleinen Innenhof und den obligatorischen H├Ąngematten, ist auch diese Unterkunft durchaus weiterzuempfehlen. Das Zimmer verf├╝gte ├╝ber zwei Betten, Dusche und Toilette, sowie einen Ventilator. Au├čerdem geh├Ârte zum Hotel eine Art Internetcafe f├╝r das man aber extra zahlen musste. Mit 500 Colones pro halbe Stunde war das aber mehr als erschwinglich. Hier funktionierte, im Gegensatz zu panamaschen Gefilden, die Internetverbindung sehr gut.

 

Besonders sehenswert in Cahuita ist sein wundersch├Âner Postkartenstrand und der daran angrenzende Nationalpark. Hier kann man auf eigene Faust oder mit F├╝hrer einfach mal loswandern und kriegt tats├Ąchlich jede Menge interessante Tiere und Pflanzen zu Gesicht. Der Eintritt ist kostenlos. Man muss sich lediglich mit Namen und Herkunft in eine Liste eintragen, damit bekannt ist, welcher Name auf dem Grabstein stehen soll, falls man sich verl├Ąuft und nie mehr wiederkehrt. Leider hatte ich nur sehr wenig Zeit, da ich am Nachmittag den Bus nach San Jose nehmen wollte, also lief ich nur etwa 1,5 Stunden durch den Nationalpark, was allerdings ausreichend war um jede Menge Krabben, blaue Morphofalter und Wei├čkopfaffen zu sehen. Bereits am Vorabend bin ich in einem der Restaurants auf Michi getroffen, eine ├ľsterreicherin die auch allein unterwegs war und die mich einlud, die Nacht in San Jose anstatt im Hostel in ihrer WG zu verbringen. Wir verabredeten uns also f├╝r den n├Ąchsten Tag im Bus und fuhren die vierst├╝ndige Strecke gemeinsam zur├╝ck in die Hauptstadt.

 

Verw├Âhnt und gebr├Ąunt von der Karibiksonne, musste ich mit Erschrecken feststellen wie die Gradzahl auf der Temperaturanzeige des Busses stetig nach unten abfiel. Viel zu leicht gekleidet und traurig dar├╝ber, die sch├Âne Karibik wieder verlassen zu m├╝ssen, sa├č ich da und betrachtete die Regentropfen die die Fensterscheiben des Busses hinunterliefen. Endlich in San Jose angekommen, nahmen wir ein Taxi und fuhren in Michis WG, die ebenso trostlos wie das Wetter war. Nach einer kalten Nacht und mit einer leichten Erk├Ąltung, die ich mir aufgrund des Temperaturunterschieds, aber wohl auch wegen der n├Ąchtlichen Klimaanlagen auf Bocas geholt hatte, verlie├č ich am n├Ąchsten Morgen die Wohnung und brach Richtung San Jose Zentrum auf.

 

Obwohl es noch recht fr├╝h war, etwa 8 Uhr morgens, waren die Strassen voll mit Bussen und Menschen. Eine ganz andere Welt, San Jose. Die Menschen sind relativ gut gekleidet und scheinen allesamt in Eile zu sein. Von Karibikflair und Pura Vida ist hier nicht mehr sehr viel zu sp├╝ren. Die Costaricaner scheinen au├čerdem einen Schuhtick zu haben, denn bei beinahe jedem zweiten Laden handelt es sich um ein Schuhgesch├Ąft. Irgendwo in der gesch├Ąftigen Innenstadt habe ich relativ g├╝nstig und traditionell costaricanisch gefr├╝hst├╝ckt und bin dann etwas planlos umhergelaufen. Zuf├Ąlligerweise habe ich auf meiner Route den ┬ĘMercado Artesanal┬Ę entdeckt, ein Markt auf dem viel Kunsthandwerk und ├Ąhnliches verkauft werden soll und dessen Besuch man mir vorab empfohlen hatte. Der Markt war jedoch nicht das was ich mir erwartet hatte. Es handelte sich lediglich um eine Art ├╝berdachte Strasse mit verschiedenen St├Ąnden die vom Costa- Rica- Aschenbecher, ├╝ber jede Menge Schmuck und Taschen haupts├Ąchlich Souvenirs verkauften, die meiner Meinung nach den Rahmen der Kreativit├Ąt und Konventionalit├Ąt nicht gerade sprengten.

 

Mein Bus Richtung Pazifikk├╝ste, genauer gesagt Richtung Nicoya, fuhr zwar erst um 12 Uhr Mittag, dennoch sollte man auch hier etwa eine Stunde vorher da sein, um sich ein Ticket zu besorgen. Der Terminal ┬ĘEmpresa Alfaro┬Ę liegt zwar zentral, man f├Ąhrt aber am besten mit dem Taxi dorthin, da die Gegend um den Terminal nicht gerade die beste ist. Die Busse in Costa Rica fahren generell sehr planm├Ą├čig ab, so auch dieser. Die Fahrt verlief sehr z├╝gig und ich war gut 1,5 Stunden fr├╝her als geplant zur├╝ck in Nicoya, von wo aus ich mit dem Auto wieder Richtung Samara fuhr um dort mein Praktikum fortzusetzen.

 

Alles in allem ist ein Trip zur costaricanischen Karibikk├╝ste auf jeden Fall zu empfehlen. Dort ist es zwar auch nicht viel sch├Âner als an der Pazifikk├╝ste, die ├╝brigens weitaus mehr Str├Ąnde aufweist als die Karibik, dennoch herrscht dort wieder ein ganz anderes Lebensgef├╝hl. Die H├Ąuser sind bunter, die Menschen sind dunkler, sprechen auch mal englisch und man bekommt von allen Seiten Musik, allen voran nat├╝rlich Reggae zu h├Âren. Ebenso ist Bocas del Toro, Panama eine Reise wert. Allein die vielen Fahrten mit den Wassertaxis, das t├╝rkisblaue Meer und die wundersch├Ânen Str├Ąnde sprechen f├╝r eine Reise in das s├╝dliche Nachbarland Costa Ricas. Man trifft hier jede Menge junger Menschen und kann sowohl Party machen, als auch die Natur der vielen unterschiedlichen Inseln und Unterwasserwelten genie├čen.

 

Was das Wetter betrifft, so hatte ich mit meiner einw├Âchigen Karibikreise Mitte September ├╝brigens sehr gro├čes Gl├╝ck. Bis auf einmal leichten Nieselregen am Vormittag und eine verregnete Nacht, hatte ich praktisch immer Sonnenschein und sommerlich hei├če Temperaturen, was in der Karibik nicht unbedingt selbstverst├Ąndlich sein muss. Im Gegenteil, eigentlich handelte es sich bei meiner Reisezeit sogar eher um die Hurrikan- Saison, in der die Karibik des ├ľfteren Ziel tropischer St├╝rme und Unwetter ist. Als ich wieder zur├╝ck an der Pazifikk├╝ste war, erfuhr ich, dass wohl gerade als ich mich auf der R├╝ckreise aus der Karibik befand, dort der Tropensturm ┬ĘMatthew┬Ę w├╝tete und gro├čen Schaden, vor allem in der panamaschen Karibik, angerichtet hatte. Auch hier in der N├Ąhe von Samara waren die Folgen ┬ĘMatthews┬Ę zu sp├╝ren. Es regnete hier fast ├╝ber eine Woche ununterbrochen, was, auch f├╝r die Regenzeit und den Monat September, ├Ąu├čerst ungew├Âhnlich ist. Entgegen aller Prognosen scheint allerdings seit gestern in der Region Guanacaste wieder die Sonne und ich kann meine Karibik- und Pazifikbr├Ąune weiter vertiefen, bevor ich in gut zehn Tagen zur├╝ck ins herbstliche Deutschland aufbreche.

 

(Heidi S.)